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Deformierter
menschlicher Schädel
Im Mai 2003 wurden im Ortsteil Sandberg in der Sandgrube Sassmann die durch Baggerarbeiten freigelegten Knochen einer menschlichen Bestattung durch einen Fossiliensammler entdeckt. Da dieser Sammler auch schon früher dort nicht in sein Sammelgebiet gehörende Knochen gefunden hatte, verständigte er davon in dankenswerter Weise das Museum. Die sehr zerbrochenen Knochen wurden geborgen und die Umgebung der Fundstelle erfolglos nach Grabbeigaben oder weiteren Gräbern abgesucht. Da nur wenigen Teile eines menschlichen Schädels und auch nur einige Wirbel, Langknochen und Knochenfragmente vorhanden waren und aufgrund der fehlenden Beigaben keine Datierung möglich war, wurden diese vorerst, ohne sofortige Mitteilung an das Bundesdenkmalamt, im Museum verwahrt. Im September 2003, der Sandabbau war bereits wieder ein Stück vorangekommen, wurden am Fuß der Abbauwand einige weitere Schädelknochenfragmente gefunden. Diese waren durch die Baggerungen wahrscheinlich weiter als vermutet verschleppt worden.
Ein Vergleich mit den im Mai gefundenen Stücken ergab, dass einige
Stücke zusammenpassten und einen fast vollständigen Schädeloberteil
ergaben. Wegen der etwas ungewöhnlichen, länglichen Schädelform
und einem kurz vorher in der Zeitschrift "Universum" publizierten
Bericht über künstliche Schädelverformungen wurden die
Knochen dem Naturhistorischen Museum Wien, Anthropologische Abteilung,
vorgelegt. Dort wurde nach kurzer Besichtigung festgestellt, dass es
sich um einen menschlichen Schädel mit künstlicher Verformung
handeln dürfte. Die in der Folge durchgeführte wissenschaftliche
Untersuchung und Beschreibung erbrachte folgendes Ergebnis: Kurzauszug
aus der Schrift: "Manipulierte Körper - Gedanken zur künstlichen
Schädeldeformation" von Dr. Karin Wiltschke-Schrotta. Es sind
die Knochen eines ca. 25 - 35 jährigen Mannes mit deutlich künstlich
verformtem Schädeloberteil = Langschädel, der etwa um die
Mitte des 5 Jahrhunderts n.Chr. gelebt hatte. Die anderen dazugehörigen
Knochen wiesen, bis auf einen kariösen Unterkieferzahn, keine krankhaften
oder verletzungsbedingten Veränderungen auf. Nur am Schädel
sind das Stirnbein und die Scheitelbeine stark nach hinten deformiert,
so dass eine extrem fliehende verlängerte Stirnregion entstand. Da keine Beigaben gefunden wurden, ist die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk nicht feststellbar, aber diese Art der Schädelverformungen war bei Ostvölkern, insbesondere den Hunnen gebräuchlich und wurde auch von Bewohnern in den von ihnen dauerhaft besetzten Gebieten zum Teil angenommen. Es könnte sich um ein Merkmal der Zugehörigkeit zur herrschenden Sippe oder Klasse, aber möglicherweise auch um ein Schönheitsideal gehandelt haben. Die Verformung am noch weichen Kopf des Kleinstkindes wurde mittels Bandagen, Schnüren oder Brettchen durch die Mutter oder Amme eingeleitet und bis zur Verknöcherung durchgeführt. Von 19 bisher in Österreich gefundenen deformierten Schädeln wurden bis auf 4 ( 3 im Bezirk Krems und ein Schädel aus dem Bezirk Völkermarkt/Kärnten) alle östlich einer durch Wien von Nord nach Süd verlaufenden Linie gefunden. Der Mannersdorfer Schädel gehört mit zu der am stärksten deformierten Form. ![]() Am Fundort wurden erstmals 1937 (damals Sandgrube Hohenegger) Gräber aus der Völkerwanderungszeit durch A. Seracsin und K. Hetzer geborgen und dem NÖ-Landesmuseum übergeben. Dieses Skelettmaterial ist im 2. Weltkrieg verloren gegangen, so dass es nicht mehr zum Vergleich herangezogen werden konnte. Weitere dort von Zeit zu Zeit gefundene Gräber gehörten einer anderen Zeitstellungen an. In der oben angeführten Schrift wird auch über die Untersuchungen an einem ebenfalls künstlich deformierten Schädel einer Frau im Alter von 18 - 20 Jahren, die zwischen 435 bis 470 n.Chr. gelebt hatte und 1985 anlässlich der Ausgrabung des Bundesdenkmalamtes im awarischen Gräberfeld von Sommerein (ehem. Sandgrube Hums) geborgen wurde, berichtet. |